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In Grunwald (Tannenberg) kämpfen die Ritter

Datum: 18 Juli 2010 von Klaudia Cech, Ewa Kamińska
In Grunwald (Tannenberg) kämpfen die Ritter

 

Über 2 000 Ritter aus ganz Europa sind nach Grunwald gezogen. Die Handwerken folgten den Rittern, um sie bei der Schlacht zu unterstützen.

Das ist kein Geschichtsunterricht, das ist die Realität. Das Rittertum gehört zu den teuersten Hobbys, die Menschen begeistern. Dieses Hobby ist auch mit der Ehre des ewigen Respekts und der Tradition verbunden. Im Zivilleben arbeiten viele von den Rittern als Büroangestellte, Geschäftsführer, Selbständigen oder Freiberufler. Einmal im Jahr sammeln sie sich auf den Feldern bei Grunwald, um das einzigartige Spektakel der Schlacht bei Grunwald von 15. Juli 1410 zu ehren und nachzustellen.

Diesmal, am 600. Jahrestag, wurde das Spektakel vom 15.-17. Juli gefeiert. Die Felder um Grunwald verwandeln sich in ein Kampfdorf aus dem XV. Jahrhundert. Neben dem Ritterlager wurde ein Handelszentrum aus dem XV. Jahrhundert eingerichtet, in dem die Handwerker ihre Produkte anbieten konnten. Neben Schwertern, neuer Kampfausrüstung oder Ritterbekleidung wurde auch die Kochkunst der Küche aus den damaligen Zeiten offeriert.

Der Veranstalter Krzysztof Gorecki erwartete auf den Feldern von Grunwald über 150 000 Zuschauer, die die Inszenierung der großen Schlacht des Mittelalters bewundern wollen. Der Regisseur dieses Stücks hat bei dem polnischen Radio im Programm Sygnaly Dnia versichert, die Schacht wird so enden, wie vor 600 Jahren, wieder werden die Kreuzritter nicht gewinnen. Das Polnisch – Litauische Heer hat die Kreuzritter, unter der Führung des Großmeisters Ulrich von Jungingen, besiegt. Bei über 30 Grad im Schatten, so wie vor 600 Jahren.

Die Inszenierung konnten nur knapp 100 000 Personen sehen, da der Rest im Stau gestanden hat. Trotzdem die „Show must go on“.

Angefangen wurde am Samstag um 10 Uhr mit der Messe De Divisione Apostolorum, danach um 11,30 Uhr Appell von Grunwald, um 13 Uhr kamen die Ritter und um 14 Uhr sind das polnisch - litauische Heer gegen die Fahnen des Kreuzrittertums gestartet. Der Großmeister ist in der Schlacht um 14:50 Uhr gefallen. Der Rest der polnisch - litauischen Armee konnte noch die letzten Kämpfe durchführen. Bis Spätabend haben die Sieger gemeinsam gefeiert. Die Messe am Sonntag um 10 Uhr kündigte das Ende der Feierlichkeiten an.

Die im Stau stehenden Schaulustigen mussten sich mit der Mundpropaganda befriedigen. Die über 100 000 Zuschauer haben die Plätze schon früh am Morgen besetzt und auf die entscheidenden Schlacht in der glühenden Hitze gewartet. Zu dem Ritterlager konnten nur wenige einen Zugang haben, nur diese die eine Ritterausrüstung besaßen.

So eine Ritterausrüstung gehört mit zu den teuersten Hobbys. Mit mindestens 2 000 PLN (ca. 500 €) für die einfachste Ausrüstung ist zu rechnen. Um voll ausgerüstet zu sein, ohne Pferd, muss man mit ca. 500 000 PLN rechnen (ca. 200 000€). Wenn man noch die Pferde dazurechnet, da kommen die nächsten 200 000 PLN (50 000€) für die Pferdetracht hinzu.

Am Schwertgeschäft können die Handwerker nicht viel verdienen, da das Rittertum- Hobby von einer sehr kleinen Gemeinschaft betrieben wird und um zu den Rittern zu gehören, muss man eine Ausrüstung besitzen, trotzdem hoffen sie auf finanziell potente Kundschaft.

Das einfachste Schwert kann man schon für 500 PLN (ca. 120€) erwerben. Im Online-Geschäft werden die Ritter im ganz Europa beliefert. Die Kampfausrüstung der Ritter kann den Preis von 60-80 tausend PLN (ca. 20 000€) locker erreichen.

Grundwald und das Rittertum retten diesen Wirtschaftzweig des Handwerks, da an der Schlacht nur teilzunehmen darf, der eine volle Ritter- Ausrüstung besitzt und irgendwo muss er auch schlafen. Die Zelte werden nach dem Muster aus dem Mittelalter gefertigt. Die Innenausstattung muss dem Mittelalterstill entsprechen. Diese Innenausstattung kann auch bei einigen tausend PLN liegen.

Jeder Ritter braucht einen Knappen, der hilft die Ausrüstung anzuziehen und den Ritter zu bedienen. Der Knappe muss auch bezahlt werden oder wird aus der Ritterverbindung gemeinsame Hilfe angeboten.

Noch zum Handelszentrum des XV. Jahrhunderts. Die Fiskalkassen erinnern uns daran, dass wir uns im XXI. Jahrhundert befinden. Dort kann jeder für seine Sammlung die Ausrüstung ergänzen.

Die Liebhaber der Geschichte und der Inszenierung können im nächsten Jahr wieder das Spektakel sehen und vielleicht mehr Ritter nach Grunwald anziehen.
Von Januar bis September finden in Polen jedes Wochenende solche Inszenierungen statt. Jedoch die Grunwald- Schlacht ist die spektakulärste.

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