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Polen brauchen keine Anwälte

von Izabella Ewa Cech, Björn Hensel 20. Februar 2009
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Polen brauchen keine Anwälte

Wie die Zeitung „Rzeczpospolita“ am 18. Februar 2009 berichtete, hat die Rechtsanwaltskammer (Krajowa Rada Radców Prawnych) in Polen, das Meinungsforschungsinstitut TNS OBOP beauftragt, die Meinung der polnischen Bürger über Anwaltsleistungen einzuholen.

In Polen gibt es zwei Gruppen von Rechtsanwälten, die als Adwokat (Advokat) und Radca Prawny (Rechtsanwalt) bezeichnet werden. Der Unterscheid liegt bei dem Zuständigkeitsbereich der geführten Rechtssachen. Meistens beschäftigen sich die Anwälte (Adwokat) mit Straf- und Familienrecht und die Rechtsanwälte (Radca Prawny) mit Wirtschaftsrecht. Zivil-, Verfahrens- und Verwaltungsrecht wird meistens von beiden Gruppen ausgeführt, obwohl nach der Anwaltsreform in Polen auch die Rechtsanwälte (Radca prawny) einige Tätigkeiten des Anwalts ausüben dürfen.

Laut Anwaltskammern und Rechtsanwaltskammern waren im Jahre 2005 6.179 Advokate und 17.501 Rechtsanwälte in Polen tätig, gleichzeitig waren in Deutschland 132.569 Rechtsanwälte und 179 RA-GmbHs bei den Rechtsanwaltskammern registriert. Vor Gericht wurden 9.581.613 Fälle entschieden und davon wurden aber nur 225.185 von Anwälten vertreten. Nur rund 33% der Verurteilten in Strafsachen wurden durch einen Anwalt vertreten. In Polen können Steuerberater in Finanzverfahren vor den Finanzgerichten, ihre Mandanten selbst vertreten. Laut Statistiken haben die Anwälte im Durchschnitt 32,6 Fälle jährlich bearbeitet. Auf jeden Anwalt in Polen fallen die statistische Anzahl von 1376 Bürger jährlich an, also nicht so viele wie man hätte erwartet können.

 

Die nicht so hohe Zahl von Anwälte und Rechtsanwälte in Polen sollte nicht den Eindruck vermitteln, es gebe eine Marktlücke für Anwaltsberufe, sondern wie die Polen ticken und warum die Anwälte so wenig Mandanten haben. Zwar arbeitet die Regierung im Parlament noch an einem, noch von PiS eingebrachten Vorschlag,  den sog. Lizenzierte Rechtsberater als Beruf zu zulassen. Trotzdem bleibt das Gesetz immer noch in der Bearbeitung und passieren tut nichts.

 

So müssen zwei Anwaltsberufe um ihre Existenz zusammen kämpfen. Als erstes wurde die Aplikantenzahl (sog. Referendare) erhöht. Von hunderten zukünftigen Anwälten wurden ab dem Jahr 2007 5000 Aplikanten auf die Anwaltsausbildung zugelassen. Die Anwälte versuchen auch ihre Bereich zu erweitern, sich umzustellen und an die Kundenwünsche anzupassen. 

 

Aus diesen Gründen prüft die Anwaltskammer die Bereitschaft der polnischen Bürgern Anwaltsleistungen in Anspruch zu nehmen. Nach den von „Rzeczpospolita“ veröffentlichen Angaben haben 86% der Befragten in den letzten fünf Jahren keine Anwaltsleistungen in Anspruch genommen. Nur 1% der befragten Gruppe gab zu, sich den Anwalt oder Rechtsanwalt nicht leisten zu können. Der Rest 99% sah kein Grund diese Leistungen in Anspruch nehmen zu müssen. Dies zeigt, dass Polen sich überhaupt nicht bewusst sind, welche rechtliche Fälle auf sie zukommen könnten. Die Regierung und Politiker haben immer betont, die Anwaltsleistungen seinen zu teuer, deshalb haben sie keine Kunden. Nach der Befragung kommen andere Ergebnisse.

 

Falls jemand Hilfe braucht, z.B. bei  Vertragsverhandlungen, wird zuerst Rat bei der Familie eingeholt (42%) dann bei Bekannten und Freunden (21%) und erst an dritter Stelle kommt der Anwalt. Nur 19% der Befragten würden beim Anwalt oder Rechtsanwalt sich Rat holen. Jeder Zehnte wird alleine die rechtliche Probleme lösen können.

 

Ein Drittel hat eine schlechte Meinung über polnische Anwälte. Ebenfalls ein Drittel  hat positive Erfahrungen gesammelt. Auch ein Drittel konnte sich keine Meinung über Juristen in Polen bilden.

Quelle: Rreczpospolita, Sejm
 
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Ausgabe Nr.2 (114) vom 9. Januar 2012
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