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Die Gemeinde, die sich gegen Politiker wehrt
von Ewa Kamińska, Izabella Ewa Cech 22. August 2010
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Man könnte wie in einem Märchen schreiben: „Einst in einem fernen Land, in dem alle Politiker Macht haben, mussten alle Dörfer und Gemeinde sich der Regierung unterwerfen!“. Alle? Fast, alle. Es gibt nämlich ein Ort in Polen, der sich erfolgreich gegen Politiker gewehrt hat und schon zweimal gezeigt hat, dass auch die einfachen Bürger etwas bewegen können. Ein Ort in dem ca. 190 Bewohner leben und seit Jahren um Reparaturarbeiten auf der einzigen Straße bitten, die zum Dorf führt. Alle Eingaben waren vergeblich. Zum letzten Mal wurden Bauarbeiten auf der Straße vor 1945, noch von Deutschen durchgeführt. Seit dieser Zeit, außer im Jahr 1956 wurde etwas an der Brücke gebastelt, aber danach nicht mehr. Die Bewohner des Dorfes haben sich geärgert und konnten von der Tourismuswirtschaft nicht profitieren. Der Ort wurde noch nicht von Touristen entdeckt, obwohl in gerader Linie, eine 5 km lange Kreisstraße mit dem Meer verbindet. Ein nahegelegener See ist nur 3 km entfernt. Mit der Bahn, zwischen Szczecin und Kolobrzeg gelegen, kann man den Ort problemlos erreichen. Mit dem Wagen könnte es schwieriger werden. Eine ideale Oase zum Ausruhen und Entspannen. Bisher konnte keiner dorthin ohne den Wagen zu beschädigen, bevor er das Ziel erreicht hatte. Viele Teile werden an den Wagen beschädigt, da der Weg unbefahrbar ist . Die Bewohner hatten es satt sich nur auf die Versprechungen der Politiker zu verlassen. Endlich sollten auch sie spüren, was Bauernwut bedeutet und haben beschlossen, die Wahlen zu boykottieren. Erst danach hat ganz Polen über die mutigen Bewohner der Gemeinde erfahren. Bieczyno, früher Hagenow, heißt der Ort, der sich erfolgreich schlägt. Zuerst im Jahr 2009 haben die Gemeindebewohner beschlossen die Europawahlen zu boykottieren. Damals ist keiner der 140 Wahlberechtigten zu den Wahlurnen gegangen, eine Abstimmung mit den Füßen, ohne hinzugehen. Die Politiker haben zuerst die Gemeinde nicht wahr genommen, aber wenn keiner wählen geht, kann das doch ansteckend sein und was dann? Als erster ging mit einem Aufruf der SLD-Politiker Grzegorz Napieralski (dritte bei den Präsidentenwahlen in Polen) an die Öffentlichkeit. Am 16. Juni 2009 hatte er eine Abgeordnetenanfrage an den Infrastrukturminister wegen der Finanzierung des Kreisweges Nr. 0123Z von Bieczyno bis Gorzyslaw ( eine 8 Km lange Strecke) gestellt. Dabei hatte der Politiker auch erwähnt, dass das ganze Dorf die Europawahlen boykottiert hat. In der Antwort wurden verschiedene Möglichkeiten der Geldquellen genannt, bei der die Finanzierung der Straße zu beantragen wäre, jedoch das Infrastrukturministerium hat kein Geld für diese Straße. Nur Landstraßen dürfen von Ministeriengelder finanziert werden. Die Gemeinde hat nicht locker gelassen. Kurz vor den Präsidentenwahlen haben sich die Bewohner gesammelt, die Medien benachrichtigt und sind vor dem Starostamt in Gryfice demonstrieren gegangen. Erst im Mai 2010 (kurz von den Wahlen) wurde die Ausschreibung für den Bau der Straße ausgeschrieben, das hat die Bewohner immer noch nicht überzeugt. Es waren doch noch keine Bauarbeiten, geschweige denn Vermessungsarbeiten, vorgenommen worden. Während des Treffens im Juni (kurz von dem Wahlen) hat der Voigt des Dorfes dem Starost offiziell die Stellungnahme des Dorfes mitgeteilt- „Solange es keine reparierte Straße gibt, solange gehen wir nicht wählen“. Kurz, knapp und eindeutig war die Antwort. So hat das Dorf es gemacht, keiner der 140 Wahlberechtigten war zu den Urnen gegangen. Dann kamen die Medien und haben den Vorgang an die große Glocke gehängt. Gazeta Wyborcza, Newsweek, TVN24, Radio RMF FM alle haben über das mutige Dorf berichtet. Die Zuneigung bei der Bevölkerung haben sie gefunden, aber auch Gegner, die den Menschen nicht das gewünschte geben wollten, wie bei den Foren gepostet, wurde gefragt warum sollten sie mit dem Auto fahren, wenn sie die Bahn vor der Nase haben. Aber Wunder passieren immer wieder, auch in der Politik. Besonders wenn die nächsten Wahlen kurz bevor stehen und zu befürchten ist, dass das Boykottdorf erneut nicht zur Wahl geht. Die ersten Bilder der neuen 8 km langen Straßen wurden gezeigt. Die Gemeindebewohner haben doch ihr Ziel erreicht Die Bewohner haben jetzt von der Kamera versprochen, sich an den Herbstwahlen zu beteiligen. Sie haben schon im Voraus gesagt, an den Versprechungen der Wahlkampagne werden wir die Politiker messen. Was wäre wenn alle Bürger ihre Politiker so zur Rechenschaft ziehen und die Wahlen boykottieren würden? Vielleich dann würden die Politiker ihre Rosabrille weg nehmen und endlich ihre Wahlversprechungen halten oder wenige, realistische, abgeben. Für das Dorf unseren großen Respekt und für die Politiker eine Ohrfeige. Wenn man will, kann man doch was bewegen. Die neuen Gallien treten ein, aber diesmal Made in Polen Unsere Texte sind urheberrechtlich geschützt. Möchten Sie den Artikel auf Ihrer Internetseite oder anderen Träger veröffentlichen, erwerben Sie bitte eine Veröffentlichungslizenz.
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