Newsletter-polen.de  
Newsletter-polen.de » Wirtschaft » Artikel » Clusterbildung in den Regionen der EU
 
Wirtschaft / Artikel

Clusterbildung in den Regionen der EU

von Björn Hensel 24. Mai 2011
Achtung: Dieser Artikel wurde von mehr als 6 Monaten veröffentlicht.
Clusterbildung in den Regionen der EU
Die Zukunft der Clusterbildung und –erhaltung in der EU ist ein großes Thema in der im letzten Jahr verabschiedeten Strategie Europa 2020. Die Institution Berlin Partner GmbH hat zu diesem Thema, im Rahmen von Eunop, eine eintägige Konferenz mit dem Titel „Intelligente Spezialisierung – ein Wettbewerbsvorteil für Regionen und Unternehmen“ am 19.05.2011 in Berlin durchgeführt. Eingeladen waren Experten aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft. Bezeichnender Weise fand die Konferenz in Adlershof statt, der den Biotechnologie Cluster beheimatet.

Clusterbildung ist für viele Länder und Regionen der EU ein Weg ihre Potenziale im Bereich von Forschung und Entwicklung voranzubringen. Da jedes Land natürlich seine Interessen vertreten möchte, kommt es oftmals zu Überschneidungen in den Branchen. Um das zu vermeiden, versucht die EU eine intelligente Spezialisierung zu schaffen. Wie das vor sich gehen soll erläuterte der Berater des Generaldirektors der GD Regio der Europäischen Kommission Herr Michael Ralph in einem Vortrag.

Die Kernaussage lautet, nur wenn die Politik, Hochschulen und die Unternehmen an einem Strang ziehen kann die Zielsetzung der EU in dieser Frage ein Erfolg werden. Die Länder und Regionen der EU sollen sich darauf verständigen auch ihre nationalen Förderprogramme dem Strategieplan der EU anzupassen, um eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu erreichen. Weitere Vorträge hielten Herr Dr. Kopp von der Technologie Stiftung Berlin TSB mit dem Inhalt „Gemeinsame Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg“, Herr Dr. hab. Dziemianowicz von der Firma Geoprofit aus Warschau. Doch was ist eine „Intelligente Spezialisierung“?

Eine Spezialisierung ist eine Eingrenzung der Kompetenzen auf die Branchen deren Entwicklung durch die Infrastruktur, qualifiziertes Personal und/ oder Kapital gefördert werden kann. Die Auswahl der Kompetenzfelder wird aber nicht in einer „intelligenten“ Weise sondern in einer Art Ausschlussverfahren festgelegt.

Die zweite Frage ist doch, wie weit sollen denn Cluster der gleichen Branche von einander entfernt sein, um nicht der „intelligenten Spezialisierung“ der EU zum Opfer zu fallen? Nehmen wir das Beispiel Centrope Region mit seinem Schwerpunkt Automobilindustrie.

In einem Radius von 400 km, rund um Wien, befinden sich viele Automobilwerke der verschiedensten Hersteller und bilden damit in den vier EU Ländern Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien eine flächenmäßig riesigen Cluster der Automobilbranche. Der Projektmanager Thomas Palatin des Clusters Wien von der Wirtschaftsagentur Wien erläuterte in seinem Vortrag den jetzigen Stand und die Zukunft der Ziele. Die F&E Abteilungen des Wiener Clusters forschen in den gleichen Bereichen wie im Mobilitäts-Cluster Braunschweig. Im Cluster Braunschweig sind die Kompetenzen auf verschiedene Städte verteilt.

In Wolfsburg im Fahrzeugcampus wird im Bereich unbemannte Fahrzeuge (Studie Leonie) und Elektromobilität mit dem Schwerpunkt Akkumulatoren geforscht. In Claustal-Zellerfeld werden Kraftstoffe getestet und in Braunschweig befasst sich die DLR mit der Zukunft der Mobilität in den Bereichen Luftfahrt, Schienenverkehr und Straßenfahrzeuge. Elektromobilität ist das vorherrschende Ziel, besonders nach dem die deutsche Bundesregierung beschlossen hat bis 2020 1 Mio. Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen.

Das andere große Ziel vom Wiener Cluster ist die Ausbildung von MBAs im Bereich Automobil. Die Studenten rekrutieren sich aus vielen Ländern, sogar aus Mexico. Anschließend gab es, nach einer Kaffeepause, eine Diskussionsrunde mit den Vortragenden und weiteren Experten u.a. Herr René Franke als Vertreter des Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Herr Jacek Drozdzal vom Regionalen Zentrum für Innovation und Technologietransfer Stettin, Herr Robert Szank vom Technologie-Park Koszalin, Zbigniew Rudowicz vom Metallcluster Lubuskie und Dr. Petra König von der IHK Berlin.

Cluster sollten nicht nur nach den räumlichen sondern auch nach den finanziellen Gegebenheiten ausgewählt werden. Eine sich ergänzende Ansiedlung von potenten Unternehmen erfordert keine langwierige Förderprozeduren und beschleunigt Forschungsergebnisse. Die Zusammenführung von Netzwerken in einer Region kann ebenfalls zu einem Cluster führen, da die Kompetenzen von Unternehmen der gleichen Branche gebündelt werden können, um durch das Bündeln von Forschungsergebnissen ein schnelleres Vermarkten für die beteiligten Unternehmen zu erreichen.

Das Prinzip funktioniert nicht nur in der Forschung, im Handel kann eine Symbiose den gleichen Effekt erzielen. Es gibt z.B. in Berlin eine große Blumenhandelskette die keine Blumensträuße bindet. Ein findiger Blumeneinzelhändler kam dann auf die Idee in der Nähe von Filialen der Großhandelskette, nicht mehr als 300 m entfernt, Geschäfte einzurichten, um für Kunden die in den Filialen des Großhändlers die Dienstleistung des Blumenstraußbindens nicht erhalten haben, durchzuführen, natürlich mit eigenen Blumen, was einen maximalen Umsatz bringt.

Das ist im Kleinen das, was man mit einem Netzwerk oder Cluster erreichen möchte, eine effektive Aufteilung der Kompetenzen. Wichtig, auf dem Weg zu solch einem Zusammenschluss sollten die Unternehmen professionelle Beratung durch externe Berater in Anspruch nehmen, um einen Überblick der Chancen und Risiken zu erhalten.

Unsere Texte sind urheberrechtlich geschützt. Möchten Sie den Artikel auf Ihrer Internetseite oder anderen Träger veröffentlichen, erwerben Sie bitte Veröffentlichungslizenz.
Share | |

In diesem Thema:

 
Polen News
Ausgabe Nr.2 (114) vom 9. Januar 2012
Inhalt
Archiv
 
Anmeldung
 
 
TAGs

Money.pl - Kliknij po wiêcej
25 maja 2012
¬ród³o: MeteoGroup
 
© Copyright Gruppe Abakus 2008 - 2012