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Eine „europäische“ Lösung in Sicht – Teilbetreibung der Ostbahn in greifbare Nähe gerückt

von Von Björn Hensel 01. November 2011
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Eine „europäische“ Lösung in Sicht – Teilbetreibung der Ostbahn in greifbare Nähe gerückt

Mit einer als „historisch“ zu bezeichnenden Sonderzugfahrt „Fünf Jahre IGOB-EWIV“ von Potsdam nach Pila (Schneidemühl) sollte bewiesen werden, dass eine „europäische“ Lösung für die Wiedereröffnung der sog. Ostbahn, die ursprünglich Preußische Ostbahn hieß, in greifbare Nähe gerückt ist. Nach einer Odyssee von rund 5 Jahren für alle Beteiligten, konnte endlich eine durchgehende „Reunion“-Teilfahrt bis Pila, mit einem Zug der Baureihe VT 646 der DB Regio, durchgeführt werden. Ermöglicht hat das Ganze die intensive Zusammenarbeit von der Interessengemeinschaft Ost-Bahn IGOB EWIV, den an der Ostbahn gelegenen Städten, Landkreisen, Woiwodschaften und Gemeinden und der Deutschen Bahn DB. Die lange Vorbereitungszeit resultiert u.a., laut dem Vertreter des Betreiber-Unternehmen Dr. Trettin, aus den Umbauten der Züge und Zulassungsverfahren für Polen. Jedes Land hat unterschiedliche Vorgaben für den Betrieb eines Zuges. Unterschiedliche Sicherheitssysteme beschleunigen den Prozess nicht gerade. Die Eröffnung der Teilstrecke von Berlin nach Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) im Jahre 2009 gab dem Vorhaben einen besonderen Schub.

Der erste große Halt war der Stopp im Hauptbahnhof Berlin. Ältere Herren, bewaffnet mit Rucksack und Kamera, bestiegen den Sonderzug nach Pila und nicht nach Pankow. Der nächste Stopp erfolgte in Seelow-Gusow, wo der Bürgermeister von Rehfelde zustieg, der sich auch für das Projekt stark macht, obwohl sein Ort nicht direkt an der Ostbahn liegt.

Kostrzyn nad Odra (Küstrin) begrüßte uns bei der Ankunft mit einem buntgeschmückten Bahnsteig und Bautätigkeiten am Hauptgebäude. Der stellv. Bürgermeister von Kostrzyn begrüßte die Teilnehmer der Fahrt mit ein paar warmen Worten und lud die Anwesenden zu einem Besuch der Stadt in der Zukunft ein. Weiterfahrt nach Witnica (Vietz).

Gorzów empfängt uns unspektakulär, aber mit einer Presseschar von Fotografen und Filmteams. Ein großes Gedränge im Zug. Jeder will den besten Platz, um bei der Pressekonferenz im Zug nichts zu verpassen. Den Anfang machte der Vorsitzende der IGOB, Herr Boßan, mit dem Hinweis auf das neue Beförderungsgesetz in Polen, das Vieles erleichtert hat. Weiter führte er aus, die Ausschreibung von Beförderungslizenzen vom VBB, Beförderungszeitraum ab 2014, werden neu vergeben und die Interessengemeinschaft hofft, dass die DB Regio den Zuschlag erhält.

Für die Zukunft könnte er sich natürlich einen regulären Verkehr auf der Strecke vorstellen, mit 4-5 Verbindungen täglich, vor 2014. Hinsichtlich der Attraktivität der Strecke gibt es keinen Zweifel, da die Strecke in Richtung Krzyz täglich, trotz des Umsteigens in Kostrzyn, von 1 000 Passagieren genutzt wird.

Zum Vergleich nach Wroclaw (Breslau) fahren nur 700 Personen täglich von Berlin. Herr Dr. Trettin, Chef der DB Regio, ergänzt, einen strategischen Vorteil hat die DB Regio, denn sie hat das Personal, die Zugkapazitäten mit den notwendigen Lizenzen und was noch viel wichtiger ist, den Willen eine solche Verbindung aufzubauen. Herr Boßan gibt zu bedenken, nur eine europäische Lösung wird zu dem gewünschten Ergebnis führen, kein deutscher oder polnischer Weg. Wenn man es hinbekommt, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, gibt es keine Hindernisse, die nicht mit Beharrlichkeit aus dem Weg geschafft werden können, sagte Herr Boßan zum Abschluß. Die versammelte polnische Presse führte danach Einzelinterviews mit den Experten aus Polen und Deutschland. Sie vergaß natürlich auch nicht die mitfahrenden deutschen und polnischen Politiker nach ihrer Meinung zu fragen.

Krzyz erwartet uns. „Großer Bahnhof“ wird aufgefahren. Eine Kapelle empfängt die illustren Gäste mit einem Konzert. Der Bürgermeister von Krzyz, Herr Jasewicz, erwartet durch solche Aktionen eine wirtschaftliche Belebung für seine Stadt und damit steht er nicht alleine. Der Zeitplan drängte und wir mussten weiterfahren.

Pila, der letzte Halt auf unserer Reise. Staunende Menschen auf den Bahnsteigen und eine Einladung in den Kaisersaal des Bahnhofs. Der Stadt-Präsident Glowski und der Starost Mantaj von Pila sprechen die Einladung aus, um über die Stadt und Gemeinde Pila ein paar Informationen preiszugeben. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 75 000 für die Stadt und ca. 140 000 für das Gebiet Pila, nimmt sich die Zahl 8 000 Unternehmen sehr hoch aus. Davon gibt es 80 Unternehmen mit deutschem Kapital. Der größte Arbeitgeber ist Philips, mit rund 5 000 Mitarbeitern. Das Stadtgebiet von Pila ist so groß wie die Fläche von Paris. Für die Bahnanlage wurde gerade ein Wettbewerb ausgeschrieben, damit eine bessere Nutzung des Geländes, als Teil der Ostbahn zwischen Deutschland und Russland, bewerkstelligt werden kann. Der ehemalige Militärflughafen von Pila soll ein weiteres Standbein für eine prosperierende Wirtschaft sein. Es wurden zum Flughafen zwei Flächen dazugekauft, mit einer Größe von 180 ha und 140 ha. Die beiden Vertreter Pilas luden die Anwesenden noch zum 2. Eisenbahnschmalspurtreffen nach Pila im nächsten Jahr ein, denn es gibt ein 600mm Schmalspurbahn in Pila. Den Abschluß des Besuchs in Pila bildete der Besuch des Bahnausbesserungswerkes der Firma Interloks sp.z.o.o., für viele ein Höhepunkt. Die Rückfahrt nach Berlin wurde für 3 Passagiere fast zu einer Abenteuertour, sie wurden beinahe vergessen in Pila, weil sie sich ohne zu melden von der „Truppe“ entfernt hatten. Die Rückfahrt wird eine Aufholjagd für den Fahrplan.

Die Rückfahrt gestaltet sich sichtlich einfacher. Kurze Halte an den Bahnhöfen der Hinfahrt und Zwischenstopps auf freier Strecke, um entgegenkommende Züge durchzulassen, da die Strecke nicht durchgängig zweigleisig ist. Wir haben am Ende den Fahrplan wieder eingehalten. Übrigens, für einen perfekten Reiseproviant wurde auch gesorgt. Auf der Hinfahrt gab es Verpflegungsbeutel von der DB mit leckeren Sachen, wie belegte Brote und Brötchen, Äpfel und Muffins. Als Getränk Wasser oder Fruchtsaft.

Die Rückfahrt fiel genauso opulent aus, Wasser in rauen Mengen, mit belegten Sandwiches und gebratenen Hühnerkeulen, zur Verfügung gestellt von Interlok.
Fazit: Für eine erfolgreiche Nutzung der Ostbahn spricht viel. Das Potenzial bieten stetig wachsende Städte und eine fortschreitende Ansiedlung von Unternehmen.

Als besonderes Beispiel kann Gorzów (126 000 EW) genannt werden. Dort haben sich 28 Gemeinden, 5 Landkreise und die Stadt zu einem homogenen Geflecht (500 000 EW) verbunden. Die Arbeitslosigkeit liegt bei ca. 6%, also etwa halb so hoch wie im Landesdurchschnitt Polens.

Der größte Flachbildschirmhersteller Europas gehört zu den angesiedelten Unternehmen und beschäftigt 3 000 Mitarbeiter. Auf der ganzen Strecke konnte man die Anstrengungen der Bahnhofsbetreiber sehen, sich auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Bauarbeiten an jedem Bahnhofshalt. Begrüßende Worte der Vertreter von Landkreisen, Städten und Gemeinden und mitfahrende Politiker. Es sieht so aus, als würden wirklich alle Beteiligten an einem Strang zu ziehen, nicht als Deutsche oder Polen, sondern als Europäer.

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Bildergalerie:
Kurz von der Abreise noch einige Informationen In Pila musste noch getankt werdenEine Pressekonferenz am BordDer zug wartet auf die Gäste

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Ausgabe Nr.2 (114) vom 9. Januar 2012
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